VON MARKUS STIER
Es sind Nachrichten wie diese, die uns in Atem halten: Das Erdöl reicht nur noch für 40 Jahre, das Wasser wird knapp, die Luft ist verpestet. Solche Meldungen zeigen, dass wir uns sorgen, wie es mit unserem Planeten weitergeht. Und mit uns selbst. Denn es gibt Rohstoffe, ohne die unsere moderne Gesellschaft nicht oder nur sehr schwer existieren kann.
Ein Rohstoff ist laut Lexikon eine natürliche Ressource, die wir entweder direkt konsumieren oder weiterverwenden, um daraus Dinge zu gewinnen, die wir zum täglichen Leben brauchen. Dabei werden sie nicht nur verbraucht: Wer das Wort Rohstoffe googelt, findet unter den ersten zehn Einträgen neun über den Handel mit ihnen. Ja, Rohstoffe sind so wichtig, dass Menschen ihretwegen Kriege führen. Wir stellen Ihnen zehn der wichtigsten in alphabetischer Reihenfolge vor.
Eisen
Entwicklungshelfer
Als die Menschheit die Verhüttung von Eisen erfand, machte sie einen zivilisatorischen Sprung. Ohne das aus Erz gewonnene Metall wäre auch die Industrialisierung nicht möglich gewesen. Zwar sind die 18 Millionen Tonnen Kupfer (für elektrische Leitungen) oder die 48 Millionen Tonnen Aluminium (für den Fahrzeugbau) auch von großer Bedeutung, mengenmäßig jedoch spielen sie gegenüber den 1,3 Milliarden Tonnen aus Eisenerzen und Schrott gewonnenem Stahl eine Nebenrolle. „Stahl ist der bei Weitem am meisten verwendete metallische Werkstoff der Welt“, sagt Hans Bodo Lüngen, Leiter des Geschäftsfeldes Technik beim Stahlinstitut VDEh in Düsseldorf. Ob bei Maschinen, großen Bauwerken, Transport und Verkehr, Energie- und Umwelttechnik oder feinster Medizintechnik, ohne Stahl geht nichts.
Um die Eisenerzvorräte muss sich die Menschheit keine Sorgen machen. Obwohl die wachsende Wirtschaft in China gewaltige Mengen verbraucht und damit die Preise nach oben treibt, geht uns der Stahl nicht aus. Zudem lässt sich Stahlschrott zu 100 Prozent wiederverwerten. Ganze Stahlwerke verarbeiten fast nur Schrott.
Erdgas
Saubere Alternative
Erdgas ist wie Erdöl organischen Ursprungs und tief in der Erdkruste eingeschlossen. Im Vergleich zu Heizöl und Benzin oder gar Kohle wird beim Verbrennen von Erdgas aber deutlich weniger Kohlendioxid freigesetzt. Dass es in Konfliktfällen zu Unterbrechungen im Gasfluss kommen kann, wie es Anfang 2009 bei einem Streit zwischen Lieferant Russland und der Ukraine geschah, hat allerdings viele Länder ohne eigene Gasvorkommen daran erinnert, in welch starker Abhängigkeit sie sich befinden.
Erdöl
Schmierstoff der Wirtschaft
Öl kam schon vor Jahrtausenden zum Abdichten von Schiffen oder für Fackeln zum Einsatz, doch richtig geschmiert lief es erst, als das Auto den Durchbruch schaffte. Bakterien haben den fossilen Brennstoff über 250 Millionen Jahre unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen durch einen Gärprozess aus organischen Substanzen entstehen lassen. Öl ist dank seiner reaktionsfreudigen Kohlenwasserstoffe nicht nur bestens geeignet zur Energiegewinnung, der größte Teil aller Kunststoffe ist ohne Öl nicht herstellbar. Aus Erdölerzeugnissen werden Arzneimittel, Dünger, Baustoffe, Textilien und Farben gewonnen. Allein 70 Prozent der Reserven lagern im Nahen Osten und den GUS-Staaten. Diese Ölländer bestimmen neben den Börsenspekulanten den Preis, dessen Schwankungen ganze Volkswirtschaften wanken lassen.
Weil das Öl so vielseitig ist, verbrauchen wir es in gewaltigen Mengen, 2008 allein vier Milliarden Tonnen. Die Behauptung, das Öl würde lediglich noch 40 Jahre reichen, ist jedoch falsch. Der begrenzende Faktor ist das Geld. Lediglich ein Drittel des Öls lässt sich preiswert erschließen. Ist Grundwasser im Weg oder ist das Öl zu dickflüssig, um einfach an die Oberfläche zu sprudeln, „wird mit verschiedensten Verfahren wie zusätzlichen Bohrungen, Wasserdampfeinpressung oder Chemikalien gearbeitet, was die Förderung verteuert“, sagt der auf Energierohstoffe spezialisierte Professor Bernhard Cramer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.
Der große Nachteil des fossilen Energieträgers: Bei seiner Verbrennung entstehen Schadstoffe und Kohlendioxid – Letzteres gilt als Beschleuniger der Erderwärmung.
Getreide
Nahrung für die Menschheit
Während Sie diesen Satz lesen, werden sechs Menschen geboren. Für das Jahr 2050 prognostizieren die Vereinten Nationen eine Population von acht bis elf Milliarden. „Die Ära der Lebensmittelüberschüsse ist längst vorbei. Nach derzeitigen Berechnungen müsste die Nahrungsmenge allein in den kommenden 20 Jahren um 50 Prozent steigen“, sagt Ralf Südhoff, Deutschlandchef des Welternährungsprogramms der UN. Hauptnahrungsmittel der Menschheit ist Getreide. Momentan produziert die Menschheit 2,2 Milliarden Tonnen Getreide, gut achtmal so viel wie Fleisch. Weizen glänzt mit hohem Nährstoffgehalt, bringt auf kleinem Raum hohe Erträge, wächst auf jedem Kontinent und lässt sich dank des im Korn enthaltenen Klebers ausgezeichnet zum Backen verwenden.
Mais ist schwieriger zu backen, aber mengenmäßig das bedeutendste Getreide. Der größte Anteil dient als Tierfutter. Angesichts der besonders in Asien stark wachsenden Bevölkerung hat auch der Reisanbau zugenommen. Für die Hälfte der Menschheit ist er das Grundnahrungsmittel schlechthin.
Angesichts überfischter Meere und der Umweltbelastungen durch riesige Viehherden hofft man, vor allem in Entwicklungsländern dank moderner Anbaumethoden die Erträge zu steigern. „Bisher holt ein afrikanischer Bauer im Vergleich zu einem deutschen nur ein Zehntel der Ernte aus der gleichen Anbaufläche“, sagt Südhoff.
Holz
Nachwachsender Rohstoff
Ein Rohstoff, der nie zur Neige geht. Genau das ist Holz. Deutschland ist zu einem Drittel von Wäldern bedeckt, etwa jeder vierte Haushalt heizt mit Holz oder Holzabfällen. „Dabei ist Holz CO2 -neutral. Zwar entsteht bei der Verbrennung Kohlendioxid, wächst aber ein neuer Baum, wird dieses wieder gebunden“, sagt Anke Benndorf, Treibhausgas-Spezialistin beim Umweltbundesamt. Das im Holz enthaltene Lignin macht es stabil und haltbar. Hölzer sind ausgezeichnet zu verarbeiten, ob im Hausbau, der Möbel- oder der Papierherstellung. In vielen Entwicklungsländern ist Holz der einzige Energieträger, der ärmeren Menschen zur Verfügung steht: Selbst die teuren Tropenhölzer der Regenwälder dienen zu 90 Prozent lediglich als Feuerholz.
Kohle
Schlechter Leumund
Das in Jahrmillionen unter hohem Druck aus Pflanzenresten gepresste „schwarze Gold“ galt lange als zu teuer und zu umweltbelastend. Stein- und Braunkohle werden vor allem zum Heizen oder zur Stromerzeugung genutzt. Bei der Verbrennung entstehen neben Kohlendioxid auch diverse Schadstoffe wie Feinstaub, der Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Doch von keinem anderen Energieträger gibt es so große Vorräte. „Wir müssen unsere Zahlen jedes Jahr nach oben korrigieren“, sagt Bernhard Cramer. Die Ressourcen an Hartkohle werden auf gut 15 000 Milliarden Tonnen geschätzt, dazu kommen noch etwa 4000 Milliarden Tonnen Braunkohle. Da derzeit weltweit erst 13 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen, muss die Kohle möglicherweise noch eine ganze Weile die Kohlen aus dem Feuer holen – auch weil die Kernkraft wegen des mit ihr verbundenen Strahlungsrisikos und der Restmüllproblematik in der Kritik steht.
Luft
Unsichtbarer Lebensspender
Sie scheint so selbstverständlich und unbedeutend, aber tatsächlich suchen Astronomen mit immer besseren Teleskopen das All ab, um einen Planeten zu finden, der über eine Atmosphäre verfügt wie unsere. Luft ist unsichtbar, geruch- und geschmacklos, aber ohne sie ist Leben nicht möglich.
Dabei wäre es falsch, die Luft, die wir zum Atmen brauchen, auf den Sauerstoff zu reduzieren. Tatsächlich enthält unsere Luft das kostbare Gas nur zu knapp 21 Prozent, und das ist auch gut so: Sauerstoff lässt nicht nur unser Fahrrad rosten, in hoher Dosierung ist er sogar giftig – aber für sämtliche Verbrennungsvorgänge einschließlich unserer Atmung unerlässlich. Ebenso wichtig ist der Stickstoff, den wir umgewandelt ausatmen, der aber mit 78 Prozent den bei Weitem größten Anteil der Luft stellt. Erst seine Verbindungen wie Nitrate und Ammonium lassen Pflanzen gedeihen, die wiederum unseren Sauerstoff liefern.
Salz
Würze des Lebens
Erst das Salz in der Suppe macht das Essen zum Genuss. Salz ist dem Menschen so kostbar, dass es lange Zeit als Zahlungsmittel diente. Die Evolution hat unseren Geschmackssinn so trainiert, damit wir unseren Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt in Ordnung halten. Haben wir zu viel der weißen Kristalle konsumiert, bekommen wir zum Ausgleich Durst. Das im Volksmund Kochsalz genannte Natriumchlorid wird wie die Kalisalze vor allem in der chemischen Industrie verwendet, aber auch der Mensch benötigt sechs Gramm täglich.
Konzentrationsunterschiede von Natrium und dem ebenfalls essenziellen Kalium sorgen in Nervenzellen für winzige elektrische Spannungen, die eine Erregungsleitung möglich machen. Ohne Salz schlägt kein Herz. An Natriumchlorid herrscht kein Mangel. 38 Milliarden Tonnen sind allein in den Ozeanen gelöst, zudem gibt es große unterirdische Vorkommen.
Sand
Baustoff der Zivilisation
„Wie Sand am Meer“, sagen wir oft, wenn wir etwas als besonders beliebig hinstellen wollen. Tatsächlich wimmelt es auf der Erde von unverfestigtem Gesteinsmaterial, klein gemahlenen und geschliffenen Mineralen und Bruchstücken, vorwiegend aus Feldspat und Glimmer, die wir bei einer Korngröße von weniger als zwei Millimetern als Sand bezeichnen. „Der Ausdruck bezieht sich lediglich auf die Korngröße des Materials, ist es noch feiner, weniger als 0,063 Millimeter, sprechen wir von Schluff und Ton, ist es gröber, heißt es Kies“, erklärt die Geologin Simone Röhling.
Die Menschheit baut ungern auf Sand, aber gern aus ihm. Aus Zement, Wasser, Sand und Kies wird Beton hergestellt, der sich in den Industrieländern zum Baustoff Nummer eins gemausert hat. Bei der Errichtung von großen Gebäuden, Brücken oder Straßen sind Sand und Kies unverzichtbar. Auch Natursteine kommen immer noch zum Einsatz, aber Beton ist leichter und vielseitiger, ermöglicht kurze Bauzeiten und geringere Kosten.
Wasser
Quelle des Lebens
Fleisch und Blut in allen Ehren: Der Mensch, ja fast jedes Lebewesen, besteht zum größten Teil aus Wasser. Es transportiert Nährstoffe und ermöglicht das Wachstum von Pflanzen. Wasser dient zum Trinken, Kochen, Kühlen oder Waschen. Wasser bedeckt zwei Drittel unseres Planeten. Der größte Teil ist Salzwasser in den Ozeanen, Süßwasser nimmt nur gut zwei Prozent ein. Eigentlich mehr als genug, aber ungleich verteilt: Während Wasser in Mitteleuropa kaum knapp wird, fehlt es in vielen Teilen Afrikas. In den Trockenzonen wird zunehmend Süßwasser aus tiefen Grundwasserschichten gefördert. „Wir könnten auch eine deutlich größere Weltbevölkerung mit Wasser versorgen. Schwierig wird es dort, wo der Mensch das Wasser unnötig verschmutzt oder ineffizient bei der Bewässerung einsetzt“, mahnt Dr. Wilhelm Struckmeier von der BGR.
Es gibt praktisch keinen Rohstoff, der in Kürze zur Neige gehen könnte. „Die Frage ist meist nicht, wie groß die Reserven sind, sondern ob man sie wirtschaftlich nutzen kann“, sagt Bernhard Cramer. Und weist auf einen weiteren kostbaren Rohstoff hin: „fruchtbaren Boden.“ Als landwirtschaftliche Nutzfläche stehen uns lediglich 8 Prozent der Erdoberfläche zur Verfügung, die von Klimaveränderungen, Erosion oder auch den Folgen der Rohstoffgewinnung bedroht sind. Und von Müll: Mehr als zehn Milliarden Tonnen produziert der Mensch jährlich – als Abfallprodukt der von ihm genutzten Rohstoffe.
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